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Fahrrad fahren im Herbst: Wind, Kälte und Licht planen

Fahrrad fahren im Herbst: Gegenwind-Rechnung, Windchill-Tabelle, Tageslängen und ein Fünf-Werte-Check, mit dem du jede Fahrt vorher planst.

Von Kristian Hoffmann ·

Fahrrad zu fahren: Nutzen, Schreibweise, Herbstwetter

Ob es sich lohnt, im Herbst Fahrrad zu fahren, entscheidet im Oktober und November weniger die Motivation als das Wetter: Gegenwind, Fahrtwind-Kälte und die Zeitumstellung verändern eine gewohnte Strecke messbar. Die Zahlen dazu stehen unten, jeweils mit Rechenweg und einer Regel, die du vor der nächsten Fahrt anwenden kannst.

Was es bringt, Fahrrad zu fahren – und unter welcher Bedingung

Der ADFC beschreibt, dass regelmäßiges Radfahren den Blutkreislauf in Schwung bringt und Herz und Kreislauf dadurch ökonomischer arbeiten. Die AOK nennt eine konkrete Dosis: Wer täglich 30 Minuten mit dem Fahrrad fahre, senke das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant.

Das Umweltbundesamt bewertet die Umweltseite und bezeichnet das Fahrrad als emissionsfrei, leise und effizient.

Alle diese Aussagen hängen an einem Wort: regelmäßig. Eine halbe Stunde am Tag ist im Juli leicht unterzubringen. Ende November geht in Berlin die Sonne kurz vor 16 Uhr unter, und ein Tag mit Windstärke 4 von vorn verlangt bei gleichem Tempo nach der Modellrechnung unten fast die dreifache Leistung.

Im Herbst ist der Nutzen des Radfahrens vor allem eine Planungsfrage.

Wer nach längerer Pause oder mit Beschwerden einsteigt, klärt das Pensum vorher ärztlich ab. Dieser Beitrag bleibt beim Wetter.

Gegenwind: Warum der Rückweg die Hinfahrt nicht ausgleicht

Der Luftwiderstand wächst mit dem Quadrat der Anströmgeschwindigkeit, und die setzt sich aus deinem Tempo und dem Gegenwind zusammen. Wer mit 20 km/h gegen 20 km/h Wind fährt, schiebt Luft wie bei 40 km/h – kommt aber nur mit 20 km/h voran.

Windvorhersagen nennen die Stärke oft in Beaufort (Bft), einer Skala von 0 bis 12. Laut DWD steht Bft 2 für 6 bis 11 km/h, Bft 4 für 20 bis 28 km/h, Bft 5 für 29 bis 38 km/h.

Rechenbeispiel: 20 km/h auf dem Alltagsrad

Die Tabelle nutzt eine vereinfachte Fahrwiderstandsformel: P = (½ · ρ · CdA · (v + w)² + Crr · m · g) · v. Dabei ist ρ die Luftdichte, CdA die wirksame Stirnfläche (Frontfläche mal Luftwiderstandsbeiwert), Crr der Rollwiderstandsbeiwert, v dein Tempo und w der Gegenwind, bei Rückenwind negativ. Annahmen: Aufrechte Sitzposition mit CdA 0,5 m², 90 kg für Fahrer plus Rad, Crr 0,007, Luftdichte 1,25 kg/m³, flache Strecke.

Wind in FahrtrichtungBeaufortLeistung für 20 km/h
20 km/h Rückenwind4ca. 34 Watt
10 km/h Rückenwind2ca. 48 Watt
Windstill0ca. 88 Watt
10 km/h Gegenwind2ca. 155 Watt
20 km/h Gegenwind4ca. 249 Watt
30 km/h Gegenwind5ca. 369 Watt

Das ist ein Modell, kein Messwert. Reifen, Gepäck und Haltung verschieben die Watt-Zahlen, die Relation bleibt: Bei Windstärke 4 von vorn kostet dasselbe Tempo fast das Dreifache.

Eine Fehlerquelle steckt in der Vorhersage selbst. Windwerte beziehen sich in der Regel auf 10 Meter Höhe; so definiert der DWD den Bodenwind. In Lenkerhöhe zwischen Häuserzeilen kommt davon oft deutlich weniger an, auf Deichen, Brücken und offenen Feldwegen liegt er näher am Vorhersagewert. Bevor du die Windvorhersage auf deine Runde überträgst, prüfe also, wie offen die Strecke liegt.

Hin und zurück: 74 statt 60 Minuten

Naheliegend wäre, dass der Rückenwind auf dem Heimweg zurückgibt, was der Gegenwind genommen hat. Das Modell zeigt etwas anderes. Angenommen, du fährst 10 km hin und 10 km zurück, mit gleichbleibend 88 Watt – der Leistung für 20 km/h bei Windstille:

  • Windstill: 20 km/h in beide Richtungen, zusammen 60 Minuten.
  • 20 km/h Wind entlang der Strecke: Hin gegen den Wind mit rund 10,9 km/h (55 Minuten), zurück mit rund 32 km/h (19 Minuten), zusammen rund 74 Minuten.

Gegen den Wind bist du fast dreimal so lange unterwegs wie mit ihm. Die langsame Hälfte bestimmt die Gesamtzeit.

Daraus folgt eine einfache Regel: Fahr die erste Hälfte gegen den Wind. Den schweren Teil erledigst du ausgeruht, und wenn es früher dunkel wird oder ein Schauer früher kommt als angesagt, schiebt dich der Wind nach Hause. Die Windrichtung für deine Startstunde steht in der stündlichen Windvorhersage; bei Rundkursen reicht es, die Fahrtrichtung umzudrehen.

Kalte Luft bremst stärker

Luft bei 5 °C ist dichter als bei 25 °C: Nach der Gasgleichung für trockene Luft bei Normaldruck sind es rund 1,27 statt 1,18 kg/m³. Der Luftwiderstand steigt damit um etwa 7 Prozent. Im Modell oben sind das bei Windstille nur rund 4 Watt, gegen 20 km/h Wind schon rund 15 Watt. Ein Teil der Erklärung, warum sich dieselbe Runde im Oktober zäher anfühlt.

Gefühlte Temperatur auf dem Rad: Der Fahrtwind zählt mit

Die gefühlte Temperatur beschreibt, wie kalt sich die Luft auf der Haut anfühlt, wenn Wind Wärme abträgt. Wetter-Apps berechnen sie je nach Anbieter mit unterschiedlichen Modellen. Für kalten Wind gibt es eine eigene Rechengröße, den Windchill-Index. Seine Formel ist laut Wikipedia für Temperaturen unterhalb von etwa 10 °C definiert und wird in der Regel erst ab etwa 5 km/h Wind angewendet.

Der Unterschied zum Spaziergang: Auf dem Rad erzeugst du deinen eigenen Wind. Für die Rechnung zählt deshalb Fahrtgeschwindigkeit plus Gegenwind.

Drei Temperaturen, drei Situationen

LufttemperaturStehen, leichter Wind (5 km/h)Radfahren 20 km/h, windstillRadfahren 20 km/h plus 15 km/h Gegenwind
10 °Cca. 10 °Cca. 7 °Cca. 6 °C
5 °Cca. 4 °Cca. 1 °Cca. 0 °C
0 °Cca. −2 °Cca. −5 °Cca. −7 °C

Eigene Rechnung mit der Windchill-Formel, auf ganze Grad gerundet. Die Formel ist für Wind in 10 Metern Höhe ausgelegt und kennt keine Körperwärme durch Treten. Die Werte sind deshalb eine Näherung für ungeschützte Haut – Finger am Lenker, Ohren, Gesicht – und nicht für den Rumpf.

Bekleidungstipp: Rumpf nach Thermometer, Hände nach Gegenwind

Den Rumpf ziehst du nach der Lufttemperatur an, Hände, Ohren und Füße nach der gefühlten Temperatur mit Gegenwind. Der Rumpf wird beim Treten warm, die Finger am Lenker nicht. Genau dort liegt der typische Fehler: Bei 5 °C mit Sommerhandschuhen losfahren und nach zehn Minuten klamme Finger am Bremshebel haben.

Staffelung nach dem Wert aus der rechten Tabellenspalte:

  • Über 5 °C gefühlt: Dünne, winddichte Handschuhe; Stirnband nach Bedarf.
  • 0 bis 5 °C: Gefütterte, winddichte Handschuhe, Mütze oder Stirnband unter dem Helm, dichte Schuhe.
  • Unter 0 °C: Schlauchtuch für Hals und Kinn, Überschuhe oder Winterschuhe, Fäustlinge oder Drei-Finger-Handschuhe.

Für den Rumpf gilt die alte Faustregel: In den ersten fünf Minuten leicht frösteln. Wer beim Losfahren schon angenehm warm ist, schwitzt nach der ersten Steigung durch und kühlt danach aus. Welche Schichten zur Temperatur passen, zeigt der Bekleidungs-Rechner für Laufen und Rad.

Tageslicht: Im Oktober schrumpft das Zeitfenster um zwei Stunden

Tageslänge in Hamburg, Berlin und München

Stadt1. Oktober1. November30. November
Hamburg11 h 35 min9 h 30 min7 h 55 min
Berlin11 h 35 min9 h 35 min8 h 05 min
München11 h 40 min9 h 55 min8 h 40 min

Tageslänge heißt hier: Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Eigene astronomische Rechnung, auf fünf Minuten gerundet.

Berlin verliert allein im Oktober rund zwei Stunden Tageslicht, im November noch einmal rund anderthalb. Der Norden trifft es härter: Ende November hat München rund 45 Minuten mehr Tag als Hamburg.

Zeitumstellung am 25. Oktober: Die Heimfahrt rutscht in die Dämmerung

Nach § 2 Abs. 2 der Sommerzeitverordnung endet die Sommerzeit am letzten Sonntag im Oktober um 3 Uhr, die Uhren werden auf 2 Uhr zurückgestellt. 2026 ist das der 25. Oktober. Für die Feierabendrunde in Berlin bedeutet das nach eigener Rechnung: Sonnenuntergang am Samstag gegen 17:50 Uhr, am Sonntag gegen 16:50 Uhr, Ende November kurz vor 16 Uhr. Morgens hilft die Umstellung nur kurz – der Sonnenaufgang springt von etwa 7:50 auf etwa 6:50 Uhr und liegt Ende November wieder gegen 7:50 Uhr.

Nach dem Sonnenuntergang folgt die bürgerliche Dämmerung, die Phase, bis die Sonne 6 Grad unter dem Horizont steht. Anfang November dauert sie in Berlin rund 35 Minuten.

Licht brauchst du nicht erst bei Dunkelheit: Nach § 17 Abs. 1 StVO sind die vorgeschriebenen Beleuchtungseinrichtungen schon während der Dämmerung zu benutzen, ebenso, wenn die Sichtverhältnisse es sonst erfordern. Endet die Fahrt nach Sonnenuntergang, prüfst du also vorher Front- und Rücklicht und lädst den Akku. Liegt die Ankunft mehr als eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang, planst du sie als Nachtfahrt und wählst eine Strecke, die du auch im Dunkeln kennst.

Regen, Laub und Bodenfrost: Wann die Fahrt kippt

Regenwahrscheinlichkeit und Menge zusammen lesen

Die Niederschlagswahrscheinlichkeit beruht nach der Erklärung des DWD auf vergleichbaren Wetterlagen: 40 Prozent heißen, dass es in 4 von 10 solchen Fällen am Ort geregnet hat. Über Dauer und Menge sagt sie nichts. Sie bedeutet also nicht „40 Prozent der Stunde nass“ – wer das verwechselt, sagt Fahrten unnötig ab oder fährt in den Schauer. Die Menge steht in Millimetern pro Stunde; 1 mm entspricht einem Liter pro Quadratmeter.

Faustregeln für Strecken unter einer Stunde:

  1. Unter 30 Prozent: Fahren, Regenjacke nach Gefühl.
  2. 30 bis 60 Prozent bei unter 1 mm pro Stunde: Fahren, Regenjacke einpacken und 30 Minuten vor dem Start den Regenradar prüfen.
  3. Über 60 Prozent und mehr als 2 mm pro Stunde: Zeitfenster verschieben.
  4. Alle anderen Kombinationen: Wie Stufe 2 behandeln – der Regenradar kurz vor dem Start entscheidet.

Bei Schauern zeigt der Regenradar, wann die nächste Lücke kommt. Bei flächigem Landregen fehlt diese Lücke meist – dann verschiebst du um Stunden oder fährst in voller Regenkleidung.

Nasses Laub und der erste Bodenfrost

Nasses Laub kann den Bremsweg verlängern und in Kurven wegrutschen, besonders dort, wo es über Nacht liegen geblieben ist.

Die Temperatur in der Vorhersage gilt für 2 Meter Höhe. In klaren, windstillen Nächten kühlt der Boden stärker aus als die Luft darüber: Laut DWD kann Bodenfrost schon bei 3 bis 5 °C in 2 Metern Höhe auftreten. Brücken kühlen zusätzlich von unten aus. Die Regel dazu: Tiefstwert von 3 °C oder weniger, klare Nacht, kaum Wind – dann Brücken, Holzstege und schattige Kurven langsam und ohne Bremsen in Schräglage nehmen oder die Route umlegen.

Der Herbst-Check: Fünf Werte vor dem Losfahren

WertFahrenAnpassenVerschieben
Wind (Vorhersage, 10 m Höhe)unter 20 km/h20 bis 38 km/h (Bft 4–5): Erste Hälfte gegen den Windab 39 km/h (Bft 6) oder Böen weit darüber
Gefühlte Temperatur mit Fahrtwindüber 5 °C0 bis 5 °C: Hände, Ohren, Füße winddichtunter 0 °C bei nasser Straße
Regenunter 30 %30 bis 60 % bei unter 1 mm/hüber 60 % und über 2 mm/h
TageslichtAnkunft vor SonnenuntergangAnkunft danach: Licht geprüft und eingeschaltetBeleuchtung defekt oder Akku leer
Untergrundtrockennass oder LaubTiefstwert bis 3 °C nach klarer Nacht, Strecke mit Brücken

Auswertung: Alle Werte in der ersten Spalte – losfahren. Zwei Werte in der Mitte – Route, Kleidung oder Startzeit anpassen. Ein Wert rechts – Zeitfenster verschieben oder eine andere Strecke wählen.

Für diesen Check brauchst du Stundenwerte, keine Tagessymbole. PlanBar zeigt die Windstärke stündlich, dazu Regenwahrscheinlichkeit, Regenradar und einen Bekleidungstipp, Datenbasis DWD und Open-Meteo. Der 14-Tage-Trend gibt die Richtung für die Woche vor. Ob die Heimfahrt am Donnerstag passt, entscheidest du mit dem Stundenwert vom Vortag oder vom Morgen.

Häufige Fragen

Was bringt es, Fahrrad zu fahren?

Laut ADFC arbeiten Herz und Kreislauf bei regelmäßigem Radfahren ökonomischer. Die AOK nennt 30 Minuten täglich als Dosis, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt. Im Herbst hängt dieser Nutzen daran, dass die Fahrten trotz Wind, Kälte und früher Dunkelheit tatsächlich stattfinden.

Ab welcher Windstärke verschiebe ich die Fahrt?

Als Faustregel dieses Beitrags: Unter 20 km/h fährst du wie gewohnt, bei 20 bis 38 km/h (Bft 4–5) fährst du die erste Hälfte gegen den Wind, ab 39 km/h (Bft 6) oder bei starken Böen verschiebst du das Zeitfenster. Maßgeblich ist der Stundenwert für deine Startzeit, nicht das Tagessymbol.

Muss das Fahrradlicht schon in der Dämmerung an?

Ja. Nach § 17 Abs. 1 StVO sind die vorgeschriebenen Beleuchtungseinrichtungen während der Dämmerung, bei Dunkelheit oder wenn die Sichtverhältnisse es sonst erfordern, zu benutzen. Endet deine Feierabendrunde nach Sonnenuntergang, gehört der Lichttest deshalb vor den Start.

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